{"id":629,"date":"2023-10-29T23:21:55","date_gmt":"2023-10-29T23:21:55","guid":{"rendered":"https:\/\/antiziganism.org\/?page_id=629"},"modified":"2023-10-30T15:36:02","modified_gmt":"2023-10-30T15:36:02","slug":"wissenschaft","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/antiziganism.org\/?page_id=629","title":{"rendered":"Handlungsempfehlungen: Wissenschaft"},"content":{"rendered":"\n<p>Aus dem Bericht der<strong> Unabh\u00e4ngigen Kommission Antiziganismus<\/strong> mit dem Titel &#8220; Perspektivwechsel. Nachholende Gerechtigkeit. Partizipation.&#8220; Beauftragt durch das Bundesministerium des Inneren, f\u00fcr Bau und Heimat.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufarbeitung und Perspektivwechsel in der Wissenschaft<\/p>\n\n\n\n<p>Die Unabh\u00e4ngige Kommission Antiziganismus empfiehlt \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 dem Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) eine gezielte und umfassende F\u00f6rderung von Roma und Sinti in Studium und Wissenschaftsbetrieb, damit ihre Perspektiven im Rahmen eines kritischen Diskurses innerhalb der Wissenschaft eingebracht werden k\u00f6nnen. Dies ist notwendig, um antiziganistische\/rassistische Deutungsmuster in der Wissenschaft zu \u00fcberwinden. Neben Stipendienprogrammen ist daf\u00fcr die aktive \u00d6ffnung der und Unterst\u00fctzung durch die scientific community notwendig. Wissenschaftliche Studien, an denen qualifizierte Roma und Sinti in verantwortlichen Positionen beteiligt sind, sind verst\u00e4rkt zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 den Universit\u00e4ten, Hochschulen, Instituten und sonstigen Forschungseinrichtungen eine wirksame und \u00f6ffentliche Aufarbeitung des Wirkens von NS-T\u00e4ter:innen sowie Wissenschaftler:innen, die in der Bundesrepublik an die NS-Rassenforschung an Roma und Sinti \u00a0ankn\u00fcpften. Die Beteiligung von Wissenschaftler:innen an NS-Verbrechen an Roma und Sinti , die in der Bundesrepublik Deutschland ihre Karrieren fortsetzten, muss nicht nur untersucht werden, sondern auch Konsequenzen im Hinblick auf akademische Grade und akademisches Ansehen haben. \u2022 der Humboldt-Universit\u00e4t Berlin und der Albert-Ludwigs-Universit\u00e4t Freiburg die \u00dcberpr\u00fcfung der akademischen Titel von Eva Justin und Sophie Ehrhardt in formalrechtlicher, wissenschaftlicher und wissenschaftsethischer Hinsicht und gegebenenfalls deren Aberkennung. Aufgrund des hohen Grades der Beteiligung am NS-V\u00f6lkermord sowie ihres langj\u00e4hrigen Fortwirkens in der Bundesrepublik w\u00e4ren dies erste <\/p>\n\n\n\n<p>beispielhafte Schritte. Daher wird empfohlen, Kommissionen einzusetzen, die sich diesen Fragen widmen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 eine umfassende Aufkl\u00e4rung \u00fcber das langj\u00e4hrige Wirken des \u201aZigeunerforschers\u2018 Hermann Arnold in seinen institutionellen Bez\u00fcgen und mit seinen negativen Folgen f\u00fcr Roma und Sinti . Zu pr\u00fcfen ist insbesondere, a) die Habilitation Arnolds unter formalrechtlichen, wissenschaftlichen und wissenschaftsethischen Gesichtspunkten; b) inwiefern Hermann Arnold seinen Status als Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes in Landau und dessen Ressourcen f\u00fcr seine privaten Forschungen missbr\u00e4uchlich einsetzte; c) welche Auswirkungen das Wirken Hermann Arnolds als Berater f\u00fcr Bundesministerien hatte; d) welche Auswirkungen die T\u00e4tigkeit der \u201eArbeitsgruppe Landfahrer\u201c im Deutschen Verein f\u00fcr \u00f6ffentliche und private F\u00fcrsorge f\u00fcr Roma und Sinti &nbsp;hatte. Der Deutsche Verein f\u00fcr \u00f6ffentliche und private F\u00fcrsorge sollte sich an einer Aufarbeitung beteiligen und sein Archiv zug\u00e4nglich machen.1565<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 dem Bundesministerium f\u00fcr Justiz die umfassende Aufkl\u00e4rung des Ausma\u00dfes der Gutachtent\u00e4tigkeit vormaliger NS-T\u00e4ter:innen und derjenigen, die an die rassistischen Paradigmen ankn\u00fcpften. Dies betrifft vor allem die Gutachtent\u00e4tigkeit in Wiedergutmachungsverfahren. Entscheidungen in Wiedergutmachungsverfahren, die auf Aussagen und Gutachten dieses Personenkreises beruhen, sind f\u00fcr nichtig zu erkl\u00e4ren. Betroffene beziehungsweise deren Erb:innen sind zu entsch\u00e4digen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>St\u00e4rkung antiziganismus-\/rassismuskritischer Wissenschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Die Unabh\u00e4ngige Kommission Antiziganismus empfiehlt \u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 dem BMBF sowie weiteren wissenschaftlichen F\u00f6rderinstitutionen und Stiftungen in der Bundesrepublik Deutschland, allen voran die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), F\u00f6rderlinien zu \u201eAntiziganismus in der Wissenschaft\u201c in allen Disziplinen aufzustellen. Ein besonderer Schwerpunkt sollte in den Wissenschaften, die an die Anthropologie vor 1945 (Rassenforschung, Rassenhygiene, Rassenbiologie) ankn\u00fcpfen, gebildet werden. Dabei ist eine Repr\u00e4sentation von Angeh\u00f6rigen der Minderheit in Forschungsprojekten besonders zu f\u00f6rdern. Universit\u00e4ten und au\u00dferuniversit\u00e4re Institute sollten das Thema in Forschung und Lehre st\u00e4rker ber\u00fccksichtigen und mehr Qualifikationsarbeiten und Forschungsprojekte in diesem Themenfeld umsetzen. Stiftungen und andere F\u00f6rderinstitutionen sind aufgefordert, hierf\u00fcr ebenfalls Mittel bereitzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p> \u2022 den Ausschluss von rassistischer\/antiziganistischer Wissenschaft und Forschung in F\u00f6rderprogrammen. Die wissenschaftlichen F\u00f6rderinstitutionen der Bundesrepublik Deutschland, allen voran die DFG, m\u00fcssen ihrer historischen Verantwortung gerecht werden und f\u00fcr einen Paradigmenwechsel eintreten. F\u00fcr die Begutachtung von Antr\u00e4gen mit Bezug z<\/p>\n\n\n\n<p>u Roma und Sinti sollte ein Gutachter:innenkreis gebildet werden, der \u00fcber einschl\u00e4gige rassismus- und antiziganismuskritische Expertise verf\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 dem Wissenschaftsrat im Einvernehmen mit dem Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung die Entwicklung und Umsetzung eines Konzeptes f\u00fcr die Institutionalisierung antiziganismuskritischer Wissenschaft und Forschung im deutschen Hochschulsystem. Dabei sind Professuren und Institute, insbesondere in den Bildungs-, Geschichts- und Sozialwissenschaften, zu konzipieren. Bei der Konzeption ist der Einbezug von communitybasierter Expertise sicherzustellen. In der Umsetzung ist zu beachten, dass Positionen bevorzugt mit Personen mit eigenen Antiziganismuserfahrungen besetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Einhaltung und Entwicklung von communitybasierten Forschungsstandards<\/p>\n\n\n\n<p>Die Unabh\u00e4ngige Kommission Antiziganismus empfiehlt \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 einen Perspektivwechsel im Hinblick auf wissenschaftliche Studien zu Roma und Sinti &nbsp;insbesondere vor Hintergrund bisheriger Forschung. Theoretische und methodische Ans\u00e4tze, die historisch-kritisch verankern, gesellschaftspolitisch kontextualisieren und macht- und rassismussensibel den gesamten Forschungsprozess und dessen Ergebnisse reflektieren, sind zu st\u00e4rken. Der spezifische Rassismus gegen Roma und Sinti &nbsp;muss in seiner historischen Dimension und den lebensweltlichen Auswirkungen in jegliche Forschung einbezogen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 die Durchsetzung der Einhaltung&nbsp;der Prinzipien der \u201eInformierten Einwilligung\u201c und das der \u201eNicht-Sch\u00e4digung\u201c sowie des besonderen Datenschutzes f\u00fcr alle Forschungen und Datenerhebungen zu Roma und Sinti . Daf\u00fcr muss es eine regelhafte \u00dcberpr\u00fcfung von Forschungsvorhaben auf Ethik geben sowie bei gr\u00f6\u00dferen Forschungsprojekten die Einrichtung von Befragtenbeir\u00e4ten.1566 Gleichzeitig sollen die Institutionen, die f\u00fcr Datenschutz und Diskriminierungsbek\u00e4mpfung zust\u00e4ndig sind, sowohl Roma und Sinti &nbsp;als auch ihre Organisationen besser \u00fcber die juristischen M\u00f6glichkeiten in Deutschland informieren, mit denen Betroffene gegen missbr\u00e4uchliche Erhebungen vorgehen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 der Bundesregierung die Einrichtung einer Nationalen DNA-Ethikkommission,1567 die interdisziplin\u00e4r (f\u00fcr forensische, medizinische und kommerzielle Anwendungen) sowie mit Selbstorganisationen aus den vulnerablen Gruppen besetzt wird. Deutschland ist der Staat, der in der Vergangenheit wie kein anderer rassistische Ideologien in genozidale Politik \u00fcberf\u00fchrt hat. Vor diesem Hintergrund steht die Bundesrepublik heute in einer besonderen Verantwortung, in den europ\u00e4ischen Wissenschaftsgremien ihren Einfluss geltend zu machen und daf\u00fcr Sorge zu tragen, dass bei genetischen Forschungen an besonders vulnerablen Gruppen wie Roma und Sinti &nbsp;die Einhaltung h\u00f6chster ethischer Standards gew\u00e4hrleistet ist und Verst\u00f6\u00dfe dagegen wirksam sanktioniert werden, etwa durch k\u00fcnftige Nichtber\u00fccksichtigung bei der Vergabe von F\u00f6rdergeldern.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben Genderungen durch die Volksbezeichnung \u201eRoma und Sinti\u201c ersetzt. Zur Begr\u00fcndung:<\/p>\n\n\n\n<ul>\n<li>Es wird auch nicht im Ursprungsbericht \u00fcberall gendergerecht formuliert.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Bericht weist auf die kontroverse Diskussion zur Genderung hin.<\/li>\n\n\n\n<li>Wir m\u00f6chten als Volk wahrgenommen werden. Als Individuen kann uns jeder gerne in unserer Vielfalt kennenlernen.<\/li>\n\n\n\n<li>Wenn es wirklich konsequent um Genderung geht, m\u00fcsste man auch \u201eFranzosen und Franz\u00f6sinnen\u201c als \u201eFemme et Homme\u201c formulieren. Bitte verstehen Sie diese Absurdit\u00e4t.<\/li>\n\n\n\n<li>Wir bevorzugen generell die Verwendung einer geschlechtsneutralen Form in der Sprache des Romanes.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus dem Bericht der Unabh\u00e4ngigen Kommission Antiziganismus mit dem Titel &#8220; Perspektivwechsel. Nachholende Gerechtigkeit. Partizipation.&#8220; Beauftragt durch das Bundesministerium des Inneren, f\u00fcr Bau und Heimat. 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